Der Elestart-Motor

Achtung! Alles hier Vorgestellte ist improvisiert und entspricht evtl. nicht gängigen Vorschriften. Es handelt sich nur um Beschreibungen. Den Nachbau möchte ich weder empfehlen noch dazu anregen. Jeder handelt auf eigene Verantwortung!

Es war so eine Idee, ich könnte ja vielleicht irgendwann mal ein jüngeres Spenderherz für meine Ape brauchen. Beim Handstarter gibt es ja Probleme mit Ersatzteilen. Und ein 40 Jahre alter Motor besteht eben überwiegend aus 40 Jahre alten Teilen, egal wie oft man den revidiert. Meine Ape steht nicht nur rum und soll noch ein ganzes Apeleben halten.
Und so habe ich einen günstigen Defektmotor gefunden und sofort gekauft. Das ist ein neueres Modell mit Anlasser, Typ C801M. Er ist mindestens 20 Jahre jünger als meine beiden Handstartmotoren. Braucht aber noch einige Zuwendung:

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Natürlich war der nicht komplett, es fehlen Vergaser, Zündung und Anlasser, ausserdem ist ein Gehäusedeckel vom Differential defekt. Das Differential braucht auch neue Lager und Schrauben, die sind wohl irgendwann mal verloren gegangen. Das ist alles machbar. Der eigentliche Motor scheint in Ordnung zu sein, war auch vermutlich noch nie offen. Der mitgelieferte Zylinder hat mal einen leichten Kolbenfresser erlitten. Aber der wichtige Blick auf die Kurbelwellenwangen im Bild oben zeigt einen einwandfreien Zustand.
Spannend wird noch die Verbindung der Piaggio-Zündung und Lichtspule mit meinem individuellen Kabelbaum. Da muss ich experimentieren. Meine Vespatronic passt leider nicht, die hat keinen Zahnkranz am Lüfterrrad für den Starter und passt nicht auf den großen 20er Konus der Kurbelwelle.

Ich mache hier mal eine Aufstellung der Kosten. Wenn ich insgesamt 400-500 Euro ausgebe ist das okay, ein gut funktionierender Motor ist 800-1200 Euro wert, Tendenz steigend, da lohnt sich auch die investierte Arbeit.

Also trotz vieler Gebrauchtteile und Teilen die ich schon hatte (Zylinderset, Auspuff, Vergaser) läppert sich das in Summe immernoch auf 450 Euro. Piaggio-Ersatzteile sind kaum noch bezahlbar. Die Ape wird zum Luxusartikel.
* Danke Friedhelm!

Den Schaden im Gehäusedeckel des Differentials habe ich behoben, siehe die nächsten 4 Fotos. Ich habe aber inzwischen einen Ersatzdeckel bekommen.
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Die Ölpumpe verwende ich nicht, da meine Ape keinen Öltank hat und auch keinen Öltank bekommen soll. Einen geteilten Gaszug gibts ebenfalls nicht (was oft von Vorteil ist, weil einfacher) Also baue ich die Ölpumpe aus.
Viele Apeschrauber legen die Ölpumpe still und lassen die ständig mitlaufen. Oder sägen den Mitnehmer ab. Ich möchte sie aber ganz los werden. Als Ersatzteil kostet die ja auch ein hübsches Sümmchen, das muss man nicht verschleudern. So sieht sie aus:
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Und so sieht das aus, wenn die Ölpumpe ausgebaut ist:
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Mit einem Stück Papier nehme ich die Form für einen Deckel ab:
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Den Deckel fertige ich mir aus einem Reststück 3mm Alublech:
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Der Deckel wird mit Dichtmasse belegt und festgeschraubt. Das sollte dicht sein. Wenn nicht, fertige ich mir noch eine Papierdichtung. Aber da kommt ja nur herumgewirbeltes Getriebeöl hin:
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Die Kupplung musste ich mir noch genauer angucken:
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Also einmal ausbauen und auseinanderpflücken. Aber die Kupplungsscheiben sehen noch gut genug aus, die brauche ich noch auf. Auch sonst sieht es im Motor gut aus, keine Probleme festzustellen. Den muss ich also nicht öffnen.
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Das Primärritzel ist ein 14er, also original, und es ist auch gut mit einer Sicherungsscheibe eingestemmt. Kann so bleiben.
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Mit einem neuen Kupplungskeil auf der Welle und einer frischen Sicherungsscheibe zum einstemmen der Mutter habe ich die Kupplung wieder montiert.
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Beinahe hätte ich die Andruckscheibe für den Kupplungs-Druckpilz vergessen, bevor ich den Deckel mit frischer Dichtung und Dichtmasse geschlossen habe.
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Der Motorblock ist jetzt soweit in gutem Zustand. Den Anschluss für die Spritrückführung ins Kurbelgehäuse habe ich verschlossen.
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So gut vorbereitet konnte ich schon einen frischen 50er Zylinder aufsetzen. Ich hoffe die bestellten Teile kommen bald, im Moment stockt es leider.

Die große Öffnung für den 5-poligen Stecker benötige ich nicht. Ich habe sie mit einem eingesetzten Stück Alublech und Kaltmetall verschlossen.
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Meine 4 Kabelverbindungen passen durch die kleine Öffnung, was dem Originalzustand von 1977 recht nahe kommt.

Inzwischen ist der bestellte Motorträger angekommen. So konnte ich diesen und den Auspuff montieren. Der Auspuff ist einer meiner gebrauchten, und hatte schon einiges an Rost angesetzt. Ich habe ihn mit Zinkgrundierung eingesprüht. Keine Ahnung ob das gut war, wahrscheinlich wird es verbrennen und solange stinken wie Hölle. Vielleicht bleibt ja was Zink drauf über.
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Die Eingebaute Lichtmaschine/Zündgrundplatte. Das gebrauchte Lüfterrad ist auch im Endanflug.
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Ich befestige die CDI auf dem Motor, wie das Piaggio bei der Vespa auch macht.
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Endlich hatte ich alle Teile zusammen und konnte den Motor fertig bauen:
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Sieht nicht nach viel aus, das Innere des Differentials, die fehlenden Kleinteile waren aber teuer.
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Das kleine Kraftpaket. Mein Staubsauger hat mehr Leistung :-)
Der alte Handstartmotor sah aufgeräumter aus, ohne das Ölpumpengehäuse auf dem Kupplungsdeckel, den Anlassermotor und der aufgesetzen CDI. Aber hübsch muss er ja nicht sein, man sieht ja kaum was davon.
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Ich habe auch den Wärmetauscher wieder montiert.
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Dann kam der spannende Probelauf. Der Motor sprang sofort an und hatte einen ruhigen Leerlauf. Wer sich auskennt weiss, dass der Leerlauf das entscheidende Kriterium ist, wenn der nicht stimmt, hat der Motor einige Probleme.
Zunächst habe ich noch ein klingelndes Geräusch gehört. Das Lüfterrad schleift ganz leicht am Gehäuse, gleich unterhalb des Zylinderfusses. Ich habe dann das Lüfterrad noch mal ausgebaut, aber das sah alles nicht dramatisch aus. Da schleift Stahl auf Alu, das schleift sich bald ein.
Hier ist ein Video vom Probelauf:
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